Petersberg

Rundgang über einen einzigartigen Ort

Das erste, was die meisten Besucher vom Petersberg wahrnehmen, wenn sie vom Domplatz aus nach oben schauen, ist eine gewaltige Festung – die Zitadelle Petersberg, 1665 auf Befehl des Kurfürsten und Erzbischofs Johann Philipp von Schönborn als Zwingburg gegen die Stadt errichtet. Mächtige Mauern aus hellem Sand- und Kalkstein, acht Bastionen, eine lange Zufahrtsbrücke, verschiedene Ravelins, in den Berg gegrabene Horchgänge und das Kommandantenhaus lassen erahnen, wie es war, als hier noch Soldaten herrschten.
Ein anderes gewaltiges Gemäuer ist die Defensionskaserne mit ihren meterdicken Wänden, im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts von den Preußen auf dem Gelände eines zerstörten Klosters errichtet. Noch steht sie leer, doch Stadt und Land haben große Pläne mit dem beeindruckenden Bau. Ein archäologisches Landesmuseum könnte hier nach der Bundesgartenschau seine Heimat finden.
Daneben die Peterskirche, Anfang des 12. Jahrhunderts als Klosterkirche des damaligen Benediktinerklosters St. Peter und Paul errichtet. Wer sich die Zeit nimmt, die gewaltige Kirche zu umwandern und ihre Größe aufzunehmen, kann förmlich die Geschichte spüren, die diesen Ort umgibt. Immer wieder waren Könige und Kaiser auf diesem Fleckchen Erde mitten in Erfurt zu Gast…
Und obwohl die Erfurter ihren Petersberg lieben und Besucher der Stadt von Aussicht und Geschichte des Ortes begeistert sind, will dieser Ort, der jahrelang in einer Art Dornröschenschlaf verbrachte, wachgeküsst werden.

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Auf dem Weg zum BUGA-Ausstellungsgelände

Vom Domplatz aus betrachtet macht es der Petersberg dem Besucher nicht leicht. Wer das Plateau erreichen will, muss von dieser Seite einen ordentlichen Aufstieg bewältigen. Ein Panoramaweg wird einen besonderen Blick auf die Stadt eröffnen. Vom Lauentor aus schlängelt er sich mit drei Prozent Steigung in Kurven den Berg hinauf. Als Schnellweg fungiert dann eine bequem begehbare Treppe.
An der letzten Kehre des Panoramaweges wird der Gast auf einen gläsernen Aufzug treffen. So wird das obere Plateau barrierefrei erschlossen. Die Wartezone samt Aufzugsanlage tritt optisch zur historischen Festungsmauer kaum in Erscheinung. Die Fahrt zum Plateau offenbart dem Besucher während der kurzen Fahrzeit einen beeindruckenden Blick auf den Domplatz.
Oder der Besucher beginnt seinen Aufstieg am Domplatz hinauf zur Zitadelle, durch das Kommandantenhaus und erreicht das Petersberg Entree. Dies wird der Zugang zum gesamten Festungsgelände. Ein Besucherbereich mit Infopunkt, Garderobe, Servicefunktionen und einem kleinen Vorführungssaal steht am Beginn der individuellen Entdeckungsreise. Eine interaktive Ausstellung zur Festung und ihrer Geschichte mit einer modernen, multimedialen Szenografie wird zum Ausgangspunkt verschiedener Führungen und Rundwege auf dem Petersberg.
Durch die Kronen der Bäume, über Brücken und Wege wird der Bastionskronenpfad führen, eine besondere Art, den Petersberg zu erleben. Der barrierefreie Rundweg entlang der Bastionskrone macht die Erfurt-typische Kombination von BUGA und Petersberg – von Stadtgeschichte und modernem Gartenbau – für die Besucher in besonderer Weise erlebbar. In Anlehnung an den ehemaligen Verlauf der Bastionsmauer wird der Weg mehrmals die Richtung wechseln und abwechselnd durch den Stamm- und den Kronenbereich führen. Der Ausblick auf die historischen Bauten gestaltet den Spaziergang zu einer Erlebnistour.

2021 kommt neues Leben auf den Petersberg

Klosterstandort, Zeitzeuge kurmainzerischer Herrschaft und französischer Besetzung – der Petersberg hat in seiner wechselvollen und langen Geschichte viele Rollen ausgefüllt. Zur BUGA bekommen viele Bereiche der Zitadelle einen eigenen Charakter und Ausrichtung. Im Haupteingangsbereich des Gartenschaugeländes wird der Besucher auf dem Oberen Plateau des Petersberges mit großen Wechselflorflächen und einem grandiosen Blick über die Erfurter Altstadt auf der BUGA empfangen. An 171 Tagen erwartet die Besucher hier Gartenkunst und Kulturgenuss in einem geschichtsträchtigen Ambiente. Einmalige gärtnerische Anlagen und gastliche Plätze zum Verweilen machen die Kombination von historischer Kulisse und moderner Gartengestaltung erlebbar. Das obere Plateau, während der historischen militärischen Nutzung des Stadtberges Exerzierplatz, wird komplett neu gestaltet. Die neue Wegeführung stellt die Peterskirche wirkungsvoll in den Mittelpunkt des BUGA-Geländes. Die Defensionskaserne wird für die Bundesgartenschau geöffnet und als gastronomische Einrichtung und Ausstellungsfläche genutzt.
Ein waidblaues Band verbindet als Leitmotiv die Ausstellungsflächen des Oberen Plateaus und führt die Besucher durch die Thüringer Gartenarchitektur- und Gartenkulturgeschichte.
Vor der Defensionskaserne befindet sich der Ausstellungsbeitrag „Epochengärten“. Hier werden die historischen Stile der verschiedenen Gartenepochen nebeneinander und ineinander verwoben gezeigt. In Anlehnung an die Historie des Petersbergs entsteht auch ein Klostergarten, der Einblick in den Wissensschatz der Nonnen und Mönche zu Heilpflanzen, Kräutern und Küchengewächsen gibt. Auf dem Mittleren Plateau werden pflanzliche Akzente und neue Anforderungen an das Stadtgrün gezeigt. Von hitzeresistenten Bäumen über Regenwasserversickerung bis zum Luftwäscher auf Algenbasis reichen die Instrumente einer klimagerechten Stadtentwicklung.
Die Tradition der Erfurter Gartenbaukultur wird im Festungsgraben auf ganz besondere Weise gefeiert – mit ungewöhnlichen Gestaltungselementen im Gartenschaubeet. Tausende von Blüten verwandeln den noch schmucklosen Veranstaltungsort in ein buntes Blumenmeer. Hingucker in dieser Farben- und Pflanzenpracht werden bekannte Gemüsesorten, die sich unter anderen in Erfurts Gartenbaugeschichte als Erfolgsmodelle erwiesen haben, althergebrachte Färber-, Kräuter- und Arzneipflanzen sowie klassische Obst- und Blühpflanzen. Den sanft gewundenen Weg zu Fuß oder rasant auf einer der Rutschen den Hang hinunter – die Besucher können ganz nach eigenem Geschmack wählen.

Neuer Glanz für die Stadtkrone

1103 wird die Peterskirche erstmals erwähnt. Am 11. November 1179 musste sich Herzog Heinrich der Löwe in der Peterskirche Kaiser Friedrich I. Barbarossa unterwerfen. Bauernkrieg, Pestepidemien, Dreißigjähriger Krieg, französische Besatzung – immer stand die Peterskirche im Mittelpunkt. Das tut sie zur BUGA 2021 wieder. 5 Mio. Euro stehen der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten zur Verfügung, um die ehemalige Stadtkrone auf diesen Höhepunkt vorzubereiten, indem die Fassade sowie im Inneren Teilrestaurierungsmaßnahmen umgesetzt werden. Zur Bundesgartenschau wird eine Ausstellung zur historischen Gartenwelt und Gartendenkmalpflege Thüringens präsentiert und die Peterskirche wird als attraktiver Veranstaltungsraum neu inszeniert.

Noch eine kleine Zeitreise für historisch Interessierte

Dass der Petersberg nicht nur ein Hügel unter vielen rund um Erfurt war, verdankt er auch seiner Lage an den fruchtbaren Niederung der Gera. Das machte ihn schon zu Urzeiten zur begehrten Siedlungsfläche: hier siedelten Steinzeitmenschen, hier bauten Kelten die erste Wallburg – bis die Germanen kamen, um sie zu vertreiben.
Das Königreich der Thüringer versank 531, die Franken bauten auf dem Petersberg eine Königspfalz, unter Karl dem Großen entstand auf dem Petersberg ein Sitz für einen Königsboten. Heinrich I. bestimmte hier 936 seinen Sohn Otto I. zum Nachfolger. 1060 Gründung des Benediktinerklosters, zwanzig Jahre später wurde alles wieder verwüstet – dank Heinrich IV.
1103 tauchte die Peterskirche zum ersten Mal auf – ihr Bau begann. 1179 die Krönung: In diesem Jahr, am 11. November, musste sich Herzog Heinrich der Löwe in der Peterskirche Kaiser Friedrich I. Barbarossa unterwerfen und um Gnade flehen.
Während des Dreißigjährigen Kriegs wurde der Petersberg für einige Jahre von den Schweden besetzt, unter dem kurmainzischen Kurfürsten und Erzbischof Johann Philipp von Schönborn wurde Mitte des 17. Jahrhunderts der Ort zu einer Stadtfestung ausgebaut (weil die Erfurter sich vorher geweigert hatten, sich Mainz weiterhin zu unterwerfen).
Von 1802 bis 1806 wurde der Petersberg erst von preußischen, 1806 bis 1814 von französischen Truppen als Zitadelle genutzt. Mit dem Wiener Kongress im Jahre 1815 kam der Petersberg inklusive Erfurt endgültig zum Königreich Preußen. Unter deren Herrschaft entstanden weitere Gebäude (z.B Geschützkaponnieren, Pulvermagazine, Defensionskaserne). Ab 1860 war auf dem Gelände das neugegründete 3. Thüringer Inf.-Reg. Nr 71 stationiert.
Doch die Zeit der großen Festungen lief aus: Am 20. Juni 1873 gab Kaiser Wilhelm I. (auch) für die Zitadelle Petersberg den Befehl zur Entfestigung, aus Geldmangel wurden nur zwei Ravelins, Teile der Bastion Gabriel und das Hornwerk abgetragen sowie einige Festungsgräben gefüllt.