Die Peterskirche

Der Peterskirche kommt im Rahmen der BUGA Erfurt 2021 eine zentrale Bedeutung auf dem Petersberg zu. In der ehemaligen Klosterkirche wird im BUGA-Jahr 2021 eine Ausstellung zum Thema "Paradiesgärten - Gartenparadiese" präsentiert. Vorbereitend wird die Peterskirche mit Sondermitteln des Freistaats Thüringen teilrestauriert und teilweise instandgesetzt. Sichtbares Zeichen werden die gereinigten und konservierten Außenfassaden sein, deren Mauerwerk von bemerkenswerter Qualität ist. Im Innenraum erfolgt eine Teilöffnung des hölzernen Lagerbodens aus dem 19. Jahrhundert und das Erdgeschoss wird für die Ausstellung nutzbar gemacht.

Während der Befreiungskriege wurde die Kirche ihrer monumentalen Wirkung beraubt. Mit den Maßnahmen soll dieser älteste erhaltene romanische Großbau Thüringens wieder in Teilen erlebbar werden. In Zusammenarbeit mit der Stadt Erfurt werden die Freiflächen neu geordnet und angelegt. Der Bau und sein Umfeld werden seiner Bedeutung entsprechend in Wert gesetzt.

Planung Innenraum - Entwurf | SPANGENBERG + BRAUN; Fachplanung Elektro | Ibah Gotha

Mehr zu den Plänen der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten finden Sie hier.
Details zur Klosterkirche St. Peter und Paul finden Sie hier.
 

Das obere Petersberg-Plateau unter militärischer Nutzung, 1911
(Fundort: Stadtarchiv Erfurt)
Ein Blick in die Geschichte: Stadtkrone Peterskirche

Von Dr. Steffen Raßloff

Über Jahrhunderte war die romanische Klosterkirche St. Peter und Paul neben Dom und Severikirche die Stadtkrone Erfurts. Der seit 1060 dort ansässige Benediktinerorden hatte sie von 1103 bis 1147 errichtet. Sie wurde zum Ort großer Ereignisse, wie die Unterwerfung Heinrichs des Löwen unter Kaiser Friedrich Barbarossa 1181 oder der Reichstag König Rudolfs von Habsburg 1289/90. Seit der Schedelschen „Weltchronik“ (1493) mit der ersten Stadtansicht zeigt sich jener imposante Komplex auf dem Petersberg, dessen Kirche nach jüngsten Forschungen bis ins ausgehende Mittelalter sogar vier Türme besaß.
Nach der Unterwerfung Erfurts durch den Mainzer Erzbischof 1664 änderte sich das Umfeld des Petersklosters durch die Errichtung der Zitadelle Petersberg. Es befand sich nun inmitten gewaltiger Befestigungen, die bis heute erhalten sind. Dass Kirche und Kloster weitgehend aus dem Stadtbild verschwanden, haben die Preußen zu verantworten. Nach den Zerstörungen 1813 rissen sie die Reste des Klosters ab und errichteten die riesige Defensionskaserne. Die Kirche wurde ihrer beiden Türme beraubt und auf die Hälfte der Höhe zurück gebaut. Fortan nutzte man sie bis in die DDR-Zeit als Lagerhaus. 
Im 20. Jh. kam es zu ernsthaften Bemühungen um das Bauwerk. Von 1905 bis 1911 wirkte eine „Vereinigung für Wiederherstellung der Peterskirche“. 1914 bewilligte die Stadt 60.000 Mark für die Rekonstruktion, die vom Ersten Weltkrieg verhindert wurde. Im Folgenden gab es mehrfach Pläne, die Kirche und Umfeld einschneidend verändert hätten. Hierzu zählen die Entwürfe für ein NS-Forum 1942 oder die radikalen DDR-Stadtumbaupläne der 1960er-Jahre. 
Nach 1989/90 rückte der Torso wieder in den Fokus. Für die Bundesgartenschau 2021 soll die Peterskirche als eines der wichtigsten Kulturdenkmale Thüringens noch stärker erlebbar werden. Im Kommandantenhaus entsteht mit dem Petersberg Entree eine populäre multimediale Schau zur Geschichte des Berges, die auch die einstige Klosterkirche einbezieht.

Ansicht des Petersbergs, der Peterskirche und der Klosteranlage aus dem 17. Jahrhundert
(Fundort: Stadtarchiv Erfurt)

Erfurt-Ansicht aus „Schedelsche Weltchronik“ von 1493, die älteste Ansicht der Stadt Erfurt (Stadtmuseum Erfurt)
 

Klosterkirche St. Peter und Paul in Erfurt nach Außensanierung ausgerüstet

Pressemitteilung der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten
vom 12. Dezember 2019

Westfassade wird 2021 zur Bundesgartenschau inszeniert
Derzeit werden die Außenfassaden der Peterskirche auf dem Petersberg ausgerüstet. Die Arbeiten an den Oberflächen sind bis auf die Sockelbereiche weitgehend abgeschlossen. Durch die behutsame Konservierung ist die hohe Qualität der Steinfassaden jetzt wieder sichtbar.
Für die im Rahmen der Bundesgartenschau 2021 geplante Ausstellung „Paradiesgärten – Gartenparadiese“ in der Peterskirche wurde ein Titelmotiv entworfen, das - vorgeblendet - die Westfassade während der Ausstellung ziert.
Die Bildinszenierung besteht aus zwei Motiven, die das Ausstellungsthema spiegeln. Der Giebelbereich nimmt mit der Darstellung von Adam und Eva sowie der Himmelskönigin Maria, umrahmt von zarten, stilisierten Blütenranken, Bezug auf das Leitthema „Paradiesgärten“. Es geht um den Baum des Lebens und der Erkenntnis im Garten Eden, dessen Beschreibung die Ideen und Gestaltung von Gärten über Jahrhunderte inspiriert und beeinflusst hat. Die Szene ist dem Salzburger Missale entnommen und wurde von Berthold Furtmeyr 1478/79 gemalt.
Scheinbar getragen wir diese Szene von kräftigen Alleebäumen, die von der virtuell rekonstruierten mittelalterlichen Westfassade mit Portal ins Innere der Kirche führen. Sie spannen damit den Bogen zum zweiten Ausstellungsthema, den Gartenparadiesen. Zwölf Gärten werden in der Ausstellung vorgestellt, die die Entwicklung der Gartenkunst in Thüringen nachzeichnen. Zugleich verweisen die Bäume auf die mächtigen Pfeiler der romanischen Kirche.
Die Westfassade hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Ursprünglich war ihr eine dreischiffige Vorkirche, das sogenannte Paradies, vorgelagert. Sie wurde aber spätestens im 18. Jahrhundert entfernt. Im 19. Jahrhundert kam es dann zu entscheidenden Veränderungen, als die Kirche zu einem Proviantmagazin umgebaut wurde. Letztlich resultiert das heutige schlichte Erscheinungsbild aus dieser Zeit.

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Rundflug um die ehemalige Klosterkirche zum Abschluss der Fassadensanierung