Rundgang durch das Danakil

Bereits im Eingangsbereich haben die Danakilwanderer auf einer großformatigen Erdkugel erfahren, wie ungleich die Verteilung der Grundlage allen Lebens, des Wassers, ist. Jetzt erkunden sie selbst, wie Pflanzen und Tiere mit klugen Strategien auch in trockenen Gebieten überleben oder sich im Urwald behaupten.

Auf dem Rundweg begegnet man im Wüstenhaus zuerst den Sonnenflüchtern. Pflanzen wie die Fenestraria wachsen direkt unter der Erde und lugen nur über den Wüstenboden. Zu diesen Strategien gibt es Parallelen in der Tierwelt. Käfer oder Nagetiere flüchten vor der glühenden Hitze unter die Erde. Die Familie der Erdmännchen macht vor, wie das erfolgreich auch im Team funktioniert.
 
Wer sich von den putzigen Erdmännchen losgerissen hat, trifft die einfallsreichen Schattenmacher. Ob durch baumartigen oder kriechenden Wuchs, steil gestellte Blätter, lange Dornen, Warzen, Rippen oder Lamellen: Es gibt viele Wege, damit sich eine Hälfte des Körpers stets im Schatten befindet. Dann folgen auf dem Rundweg durch das Wüstenhaus die Schatzgräber. Not macht erfinderisch: Tiefreichende Wurzel- oder Tunnelsysteme oder ein weitreichendes oberflächennahes Wurzelsystem helfen den Pflanzen Wasser zu finden.

Unterwegs trifft der Wanderer auf eine Oase. Das sind fruchtbare Plätze, Inseln im Sandmeer und oft die letzte Rettung auf einer Reise durch die Dürre. Hier leben die Nässenutzer. Die Danakiloase ist ein Ort, an dem auch die Besucher eine Pause einlegen können.
Von hier schweift der Blick zu den Wärmeregulierern und den Taufängern. Während die einen die Technik einer natürlichen Klimaanlage oder Wärmereflektion erfolgreich anwenden, leben die anderen von der Kondensation des Wassers im Wechsel vom Tag zur Nacht.
 
Die trockene Wüstenluft entzieht ständig Feuchtigkeit. Einfallsreich wehren sich manche Verdunstungsgegner gegen den gefährlichen Wasserverlust: mit einer wasserundurchlässigen
Wachsschicht oder angepasster Atmung. Den seltenen Regen speichern wieder andere Bewohner für trockene Zeiten, so wie die Fettschwanzmaus oder die Tannenzapfenechse.

Wenn es in der Wüste regnet, dann sintflutartig. Zahlreiche Tiere und Pflanzen leben nur für diesen Augenblick. Sie verfallen in eine Art Trockenschlaf, um bei Regen wieder wie Dornröschen zu erwachen. Auch sie haben ihren Platz am Übergang vom Wüstenhaus zum Urwald.
 
Wo in der Natur kann man so schnell von einer in die andere Klimazone gelangen? Woran es bisher mangelte, findet man jetzt im Überfluss: Wasser. Im täglichen Kampf ums Licht strebt alles in die Höhe und erzeugt ein Wohnen auf mehreren Etagen.

In der Grünen Hölle bilden Pflanzen und Tiere unglaubliche Gemeinschaften. Aber auch der Konkurrenzkampf hat ausgeklügelte Strategien hervorgebracht. Bemerkenswerte kleine Tiere sorgen für einen Aha-Effekt: Blattschneideameisen züchten Pilze, um sich von ihnen zu ernähren – und das bereits seit 50 Millionen Jahren. Auch die Schmetterlinge haben wieder einen Platz im neuen Haus gefunden. So wie die Gipfelstürmer, die Flutenverteiler oder die Schichtarbeiter, allesamt florale Bewohner des Urwaldes und benannt nach ihren Strategien.

Wenn es abends dunkel wird, dann schwärmen ganz besondere Urwaldbewohner im Danakil aus: Fledermäuse. Die Samen der von ihnen gefressenen Früchte fallen auf den Boden, keimen und neuer Regenwald entsteht. Ein ständiger Kreislauf, der den Fortbestand sichert.
 
Danakil ist eine Erfahrung für alle Sinne. Viele Zusammenhänge beider Klimazonen zeigen Landschaftsscanner, Bodenschnitte mit Erklärung oder eine eigens entwickelte App auf dem Rundweg und der Suche nach dem Wasser.
 
Noch ist ein wenig Geduld gefragt: Die spannende Suche nach dem Wasser beginnt am 23.04.2021. Dann eröffnet das Wüsten- und Urwaldhaus zur Bundesgartenschau.