Von der Blumenstadt zur BUGA-Stadt: Erfurter Geschichten zur Bundesgartenschau

Der Aufbauhelfer im egapark

Er ist groß, kräftig, kantig und sozialistisch gutaussehend. Jährlich gehen über eine halbe Million Menschen an ihm vorbei, aber so richtig betrachtet wird er nur von wenigen. Dabei ist seine in Vergessenheit geratene Geschichte Grundlage für den egapark Erfurt, wie er heute bekannt und beliebt ist.

Das Denkmal „Aufbauhelfer“ von Fritz Cremer steht für die intensive Beteiligung der Erfurter am Bau der iga, des heutigen egaparks.
 
Von Dr. Steffen Raßloff

Der Erfurter egapark, 1961 als Internationale Gartenbauausstellung iga gegründet, wird mit großem Aufwand zum Herzstück der Bundesgartenschau 2021 modernisiert und ausgebaut. Das freut viele Erfurter, denen ihre iga, wie es oft noch heißt, in den bald sechs Jahrzehnten ans Herz gewachsen ist. Die neue Freizeiteinrichtung war in der DDR-Bezirksstadt sofort freudig aufgenommen worden. Vom Sonntagsausflug in Familie, von Wandertagen und „Ferienspielen“ als Schüler über Café-Besuche am Südhang und Tanzabende in der „Glashalle“ bis hin zu den großen Sommerveranstaltungen verknüpfen sich mit der iga zahllose persönliche Erinnerungen. Das „Lichterfest“ und das „Pressefest“ gehörten zu den Fixpunkten im Veranstaltungskalender Erfurts. Die iga festigte nicht zuletzt weit über die Grenzen der kleinen Republik hinaus den Ruf der traditionsreichen „Blumenstadt“ und sorgte im Rahmen der sozialistischen „Bruderstaaten“ und später sogar mit westlicher Beteiligung für internationales Flair an der Gera.
 
Ein Grund für die nach wie vor feste Verankerung des egaparks im Bewusstsein der Bevölkerung sind auch die 364.000 freiwilligen Arbeitsstunden, die die Erfurter von 1958 bis 1961 im Rahmen des Nationalen Aufbauwerkes (NAW) auf der iga geleistet haben. Das NAW war 1952 von der führenden Staatspartei SED ins Leben gerufen worden, um zunächst in Berlin und dann in der ganzen DDR den Wiederaufbau nach den Verheerungen des Zweiten Weltkrieges voran zu bringen. Um diese freiwilligen Arbeiter zu ehren, schuf der renommierte DDR-Bildhauer Fritz Cremer, Schöpfer des weltberühmten Buchenwald-Denkmals, 1961 den „Aufbauhelfer“ für den Eingangsbereich zur iga. Der überlebensgroße Arbeiter mit Spitzhacke, der sich symbolhaft die Ärmel hochkrempelt, erinnert besonders an die gewaltigen Erdarbeiten, die zur Gestaltung des Parks notwendig waren. Der Erstguss des Denkmals steht vor dem Roten Rathaus in Berlin.
 
Natürlich haftet diesem Denkmal viel vom Geist des sozialistischen Realismus an, der nicht immer mit dem realen DDR-Alltag korrespondierte. Nicht alle Bürger gingen mit diesem heroischen Ernst die harten und unentgeltlichen Arbeiten an. Die fest eingeplanten Aufbaustunden waren keineswegs so rückhaltlos freiwillig, auch half man mit Stundennachweisen, Urkunden und Stecknadeln in Gold, Silber und Bronze nach. Dies konnte dann etwa bei der Zuweisung einer heiß begehrten Wohnung förderlich sein. So wenig man das NAW also im Rückblick glorifizieren sollte, so hat es doch viele Menschen am bitter nötigen Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg beteiligt. In Erfurt hat es die zwei heute nicht mehr wegzudenkenden großen Freizeiteinrichtungen Zoopark und iga wesentlich mit ermöglicht. Für all diese Leistungen der Erfurter steht der Aufbauhelfer von Fritz Cremer.

Der Aufbauhelfer als Fotomotiv
Der Erstguss steht seit 1958 vor dem Roten Rathaus in Berlin.
 
egapark Haupteingang, 2019
Seit 1961 vor dem Haupteingang egapark
egapark Haupteingang, 2019
egapark Haupteingang, 2019

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