Von der Blumenstadt zur BUGA-Stadt: Erfurter Geschichten zur Bundesgartenschau

Strahlende Stadtkrone

Das Peterskloster mit seiner prächtigen Peterskirche war bis 1813 neben dem Domhügel die zweite Stadtkrone Erfurts und ist ein bedeutender historischer Erinnerungsort. Zur BUGA Erfurt 2021 wird die einstige Klosterkirche St. Peter und Paul saniert und neu in Szene gesetzt.
 
Von Dr. Steffen Raßloff
 
Der Petersberg präsentiert sich heute als eine der besterhaltenen historischen Stadtfestungen in Europa. Die Geschichte der markanten Erhebung nordwestlich des Domplatzes reicht freilich weit über die gut 350-jährige imposante Zitadelle zurück. Vermutlich seit der Unterwerfung des Königreiches der Thüringer durch die Franken 531 befand sich ein wehrhafter Verwaltungssitz auf dem Petersberg. Die große Bedeutung des Zentralortes Erfurt, der heutigen Landeshauptstadt Thüringens, wird in der Erwähnung eines „palatio publico“ im Jahre 802 erstmals greifbar. Hierbei handelte es sich um eine Königspfalz, die sich allerdings nicht mehr archäologisch nachweisen lässt.
 
Im Laufe der Zeit wurde die Funktion als repräsentativer Aufenthaltsort der deutschen Könige und Kaiser dann vom Peterskloster übernommen. Auf dem Berg soll sich einer Legende nach bereits im 8. Jahrhundert ein von König Dagobert gegründetes Kanonikerstift befunden haben. 1060 wandelte der Mainzer Erzbischof Siegfried I. das Stift in ein Benediktinerkloster um. Es war das erste Kloster in Erfurt und gewann bald weit über Thüringen hinaus Bedeutung. Von 1103 bis 1147 ließ der Konvent die Peterskirche errichten, die über Jahrhunderte mit dem Domhügel die weithin ausstrahlende Stadtkrone bildete.
 
Die dreischiffige Pfeilerbasilika St. Peter und Paul gehörte zu den großartigen romanischen Gotteshäusern im Hirsauischen Reformstil. An die Kirche schlossen sich die Klosterbauten um den Kreuzgang an, denen weitere Wirtschaftsgebäude folgten. Das Peterskloster war jedoch nicht allein für seine Architektur berühmt. Es galt auch als Zentrum von Kunst und Wissenschaft. Die Klosterschule fertigte seit 1078 die bekannten Peterschroniken an. Unter großen Ereignissen der Reichsgeschichte im Kloster ragen die Unterwerfung Herzog Heinrichs des Löwen unter Kaiser Friedrich Barbarossa 1181 und der lange Aufenthalt König Rudolfs von Habsburg 1289/90 heraus.
 
Mit Baubeginn der Zitadelle Petersberg 1665 nach der Unterwerfung der autonomen Mittelaltermetropole Erfurt durch den Mainzer Erzbischof Johann Philipp von Schönborn veränderte sich das Umfeld des Klosters radikal. Bis dahin war es von Weinbergen umgeben und durch eine breite Treppe zum Dom erreichbar gewesen. Nur nach außen hatte man die alte Stadtmauer durch moderne Bastionen erweitert. Nunmehr wuchsen rund um das Kloster gewaltige Verteidigungsanlagen, die den Petersberg zur Festung innerhalb der Festungsstadt Erfurt machten.
 
Die Einbettung in die Zitadelle Petersberg sollte dem 1803 durch den neuen preußischen Landesherrn aufgelösten Kloster zum Verhängnis werden. Bei der Beschießung der französisch besetzten Festung durch die Preußen während der Befreiungskriege am 6. November 1813 brannte der Gebäudekomplex größtenteils nieder. Die beschädigte Kirche wurde auf die Höhe der Seitenschiffe zurückgebaut, ihrer beiden Türme beraubt und fortan als Lagerhalle mit massiver Zwischendecke genutzt. An Stelle der Klostergebäude entstand 1831 die riesige Defensionskaserne.
 
Neben historischen Stadtansichten lässt ein Modell im Stadtmuseum „Haus zum Stockfisch“ die Pracht des verschwundenen Klosters erahnen. In der Realität erinnert allein der Torso der Peterskirche an die Stadtkrone von einst. Dieses noch immer beeindruckende Bauwerk mit vielen künstlerischen Details wird für die Bundesgartenschau 2021 saniert und soll künftig als Ausstellungs- und Kulturort genutzt werden.