Grüne Oase für mehr als 50.000 Erfurter

Es ist eine der grünsten Maßnahmen, die Erfurt je erlebt hat. Im Norden der Landeshauptstadt entsteht zur Zeit der größte Landschaftspark Thüringens, eine rund fünf Kilometer lange und mehrere hundert Meter breite und rund 60 Hektar große naturnahe Idylle. Name: Nördliche Geraaue.

Dr. Rüdiger Kirsten ist Landschaftsarchitekt und Planungschef beim städtischen Garten- und Friedhofsamt und er war bis zur Bildung der BUGA-Stabsstelle im Mai 2017 BUGA-Projektleiter der Landeshauptstadt: "Die Nördliche Geraaue ist neben Petersberg und egapark einer von drei Schwerpunktbereichen der Bundesgartenschau Erfurt 2021", sagt er.

"Das Gelände ist das Ursprungstal der Gera, es ist eine klassische Auenparklandschaft, die vom rund 100 Jahre alten Nordpark im Süden bis zum gleichalten Kilianipark in Gispersleben im Norden reicht. Eigentlich aber bezeichnet nördliche Geraaue das Gebiet der Gera von Erfurt bis hin zur Mündung in die Unstrut", ergänzt Dr. Kirsten.

50.000 Menschen leben rund um das BUGA-Planungsgebiet, können es zu Fuß erreichen. "Damit zählt das Gelände zu den wichtigsten Grünanlagen der Landeshauptstadt", sagt Dr. Kirsten. "Unsere Nördliche Geraaue setzt sich aus zwei BUGA-Bereichen zusammen, zum einen aus einem Kernbereich, in dem während der Bundesgartenschau die obligatorischen Ausstellungen stattfinden werden, und sogenannten erweiterten BUGA-Flächen. Der Kernbereich besteht aus Nordpark und dem Gelände des ehemaligen Klärwerks, ist rund 15 Hektar groß. Nördlich davon beginnen die Flächen, die auch zur Bundesgartenschau zählen, aber eintrittsfrei sind. Nach der BUGA ist der Park wieder überall frei zugänglich."

Flickenteppich verbinden
Noch ist die Nördliche Geraaue ein riesiger Flickenteppich, der aus vereinzelten Auenwäldern, Parks und ungenutzten Grünflächen besteht, in der Industriebrachen und Gewerbegebiete liegen und weite Uferbereiche der Gera zugewuchert sind. Dr. Kirsten: "Dank der Fördermittel, die wir durch die Bundesgartenschau bekommen, können wir große Teile des Gebietes zu einer Art englischem Landschaftspark umgestalten, zu einem naturnahen Gelände, das den Menschen auch verschiedenste Freizeit- und Erholfunktionen bietet."

Dr. Kirsten: "Der Reiz an der Umgestaltung liegt darin, dass wir die Landschaft durchgängig barrierefrei gestalten wollen. Wir wollen eine Auenlandschaft schaffen, die der modernen Nutzung Rechnung trägt. Das Gebiet soll nicht nur vor dem Menschen beschützt, sondern soll sich mit Mensch, Tier und Pflanzenwelt gemeinsam entwickeln."

Das Rückgrat der Geraaue wird ein vier Meter breiter neuer Rad- und Fußweg sein, der den Park von Süd nach Nord durchzieht. Angelagert sollen verschiedene Freizeit- und Erholungsfunktionen werden, die alle Generationen nutzen können: "Da geht es vom Kleinkinderspielplatz, Skateranlagen, Sportplätzen, wie zum Beispiel eine Baseball-Anlage, bis hin zu den sogenannten Intimbereichen. Das sind Liegewiesen, können aber auch Grillplätze oder Treffpunkte der Liebesbänke sein."

"Nach 2021 wird die gesamte Anlage großflächig kaum noch wiederzuerkennen sein. Wir wollen weniger Schönes umwandeln, Schönes und Bewährtes erhalten", erzählt Dr. Kirsten. "Natürlich bleibt schützenswerter Baumbestand, natürlich werden beliebte Wege nicht in ihrem Verlauf geändert. Aber Kinderspielplätze werden umgekrempelt, erneuert und aufgewertet. Wir planen zum Beispiel Terrassen am Ufer der Gera als Übergang von den Wohngebieten zu den Parklandschaften mit Promenadenweg, Wasserspielen und jahreszeitlich wechselnder Bepflanzung. Wir können uns auch Wildwiesen vorstellen. Der Zugang zur Gera, die weitestgehend noch so verläuft wie vor 100 Jahren, wird an vielen Stellen wieder möglich sein."

Apropos Gera: "Bei der ganzen Planung müssen wir natürlich auch auf den Hochwasserschutz achten, wir müssen dem Fluss mehr Raum geben. So wurde schon im Bereich der Straße der Nationen die Uferböschung abgeflacht, der Geralauf also ausgeweitet. Auch die neue Flussschleife in Gispersleben schafft Platz für das Wasser des Flusses."

Start vollzogen
Und wann geht´s mit den Baumaßnahmen los? "Die vorbereitenden Maßnahmen haben schon begonnen. Dazu gehören auch die Wasserbaumaßnahmen wie Uferabflachungen zum Beispiel im Bereich Pappelstieg, der Rückbau des Wehres in Gispersleben, die neue Flussschleife. Das alte Heizkraftwerk und brachliegende Gewerbeflächen sind schon verschwunden. Im Herbst 2017 beginnen die Landschaftsbaumaßnahmen: dazu gehören der Bau von neuen Brücken und Wegen, von neuen Stegen in die Gera, von neuen Spielplätzen, dazu gehören auch umfangreiche Pflanzungen von Bäumen, Sträuchern und Wildblumen. Der Mühlgraben soll Ende 2018 übrigens renaturiert sein." 2020 ist dann alles fertig.

20 Millionen Euro sind für die Maßnahmen eingeplant, mehr als die Hälfte sind Fördermittel als Geld von Land und Bund. "Dank der BUGA können wir im Norden unserer Stadt ein Naturparadies für alle Erfurter erschaffen, das das Gesicht der Stadt auf Dauer positiv verändern wird."

Und gibt es auch Probleme?
"Die Baumaßnahmen werden vor allem in den Jahren 2018 bis 2020 laufen, das bedeutet eine große Belastung für viele Anwohner. Das bedeutet aber auch in der Zeit eine eingeschränkte Nutzung der vorhandenen Parkanlagen. Wir können dabei nur um Verständnis bitten und allen Erfurtern versprechen, dass sich die Entbehrungen lohnen werden. Nach der BUGA haben wir dann in der Nördlichen Geraaue Thüringens größten Park geschaffen."

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